Essay: Gerechter Handel statt Hilfe!

Soziales Unternehmertum & Bildung in Äthiopien

Im September 2011 hatte ich eine lang erwartete Gelegenheit für eine wissenschaftliche Feldforschung nach Äthiopien zu reisen. Diese Reise war eine ideale Möglichkeit meine früheren Recherchen im Ursprungsland des Kaffees zu vertiefen und gleichzeitig mit der Video- und Fotokamera Menschen begleiten und interviewen zu können, die sich unternehmerisch und sozial engagieren.

Bereits vor fünf Jahren, während den Recherchen zu meiner Diplomarbeit, faszinierte mich das Thema Kaffee und dessen spezifische Wertschöpfungskette. Am Beispiel des „Fairtrade“-Konzeptes untersuchte ich damals alternative Handelsmodelle und Geschäftsbeziehungen, die mehr soziale Gerechtigkeit für Kaffeebauern in den Entwicklungsländern bringen sollten. Einen Aspekt des „Fairtrade“-Modells fand ich besonderes interessant: die Förderung von eigenständigen, demokratisch organisierten und sozial orientierten Kooperativen auf Produzentenseite.

Das Ziel meiner Forschungsreise im September 2011 war es, die Kaffeebauern persönlich zu besuchen und vor Ort zu untersuchen, mit welchen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen sie konfrontiert sind, welche Potentiale sich ihnen bei der Umsetzung verschiedener Kooperationsmodelle erschließen, wie sie durch Kooperativbildung Ihr eigenes Einkommen erhöhen und dabei selbst einen nachhaltigen und sozial orientierten Gestaltungsprozess in Gang setzen können.

Am Beispiel der Kaffeeproduktion in Äthiopien, dem Ursprungsland des Kaffee, möchte ich in diesem vorliegenden Bericht die Ergebnisse meiner Forschungsreise über die Förderung von wirtschaftlich nachhaltiger Entwicklung und hier insbesondere den Aufbau einer sozialen Unternehmenskultur in Äthiopien präsentieren und dabei auch die Bedeutung von Bildungsarbeit herausarbeiten.

 

Hungersnot und Entwicklungshilfe

DevelopmentAid_EthiopiaVor dem Hintergrund der Nachrichten aus dem Sommer 2011 über die schlimmsten Hungersnöte in Ostafrika seit 60 Jahren und gewaltige Nahrungsmittelhilfslieferungen in die betroffenen Regionen, drängte mich ebenfalls die Frage nach der langfristigen Wirksamkeit von klassischer Entwicklungshilfe.

In der Fachwelt wird bereits seit längerem darüber diskutiert, ob klassische Entwicklungshilfe eine nachhaltige Entwicklung nicht sogar teilweise verhindere. Inwieweit sind wohltätige Spenden z.B. an Nahrungsmitteln, Kleidung und Haushaltsgegenständen förderlich bei dem Ziel eine lokale wirtschaftliche Entwicklung zu begünstigen? Kurzfristig gleichen sie eine Notwendigkeit aus, in der langfristigen Betrachtung ergibt sich jedoch die Frage der Generierung von wirtschaftlichen Abhängigkeiten und negativen Preiseffekten auf lokalen Märkten.

Auch die Werkzeuge der westlichen Parlamente über direkte finanzielle Hilfe die Etats der Regierungen in den betroffenen Regionen aufzustocken, werden mit dem Argument kritisiert, dass die politischen Strukturen der Empfängerländer mit ihrer zentralen Wirtschaftspolitik, staatlichen Exportmonopolen und Beschränkungen ausländischer Direktinvestitionen und sozialer Engagements die größten Entwicklungshemmnisse darstellten.

 

Gerechter Handel statt Hilfe!
Aber Hilfe beim Handeln.

Im Kontrast zu klassischer Entwicklungshilfe stehen Methoden zur Förderung von sozial orientiertem Unternehmertum und der Ausbildung von lokalen Fachkräften und Know-how im landwirtschaftlichen Sektor.

Ines Possemeyer, die auch als Journalistin für GEO in Äthiopien recherchierte (vgl. GEO, Ausg. 7, 2011), berichtet, dass Äthiopien weltweit die größten Mengen an Hilfslieferungen des World Food Programm (WFP) erhält. Dies spiegelt sich auch im volkstümlichen Sprichwort: „In Äthiopien hofft man auf viel Regen in Kanada“ wider.

Dabei bieten sich in Äthiopien ideale Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion, die ausländische Investoren aus dem Nahen Osten, Asien und Holland anlocken.

Zu allem Widerspruch liegen im Hafen von Djibuti, dem Hauptumschlagsplatz für den äthiopischen Seehandel, eben jene Frachter mit den Hilfslieferungen des WFP neben denen mit in Äthiopien angebautem Reis für Saudi-Arabien und Korea.

Die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet Äthiopien mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Kaffee, Getreide und Reis sind die wichtigsten Einnahmequellen des Landes, in dem ca. 85% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten. Kaffee ist mit 840 Millionen US-$ Exportvolumen das wichtigste Exportgut des Landes und Äthiopien größter Kaffeeexporteur in Afrika.

Äthiopien erfuhr in den letzten Jahren ein starkes Wirtschaftswachstum von zuletzt 9% per anno und damit auch einen Wandel, der am deutlichsten auf den Großbaustellen in der Hauptstadt Addis Abeba sichtbar ist. In den umliegenden Ackerflächen und Gewächshäusern internationaler Konzerne wird mit Hightech die Blumenzucht und der Reisanbau betrieben. Auch die Hauptverkehrswege von Addis Abeba in die Provinzregionen zeugen, mit den großen Baumaschinen chinesischer und koreanischer Konzerne am Straßenrand, von einem Wettlauf um Einfluss und die heißbegehrten Leasingverträge für Ackerflächen.

In den ländlichen Regionen kommt dieser Fortschritt jedoch nur langsam an und wenn dann eher in Form von gestiegenen Preisen für Grundnahrungsmittel. Die Verantwortung der wirtschaftlichen Entwicklung liegt hier zumeist in den Händen der Kleinbauern selbst, die ihr weniges Ackerland oft mit Ochsen und Holzpflügen bestellen.

Kaffeeproduktion und Welthandel

Ethiopia_red_ripe_coffee_cherriesKaffee zählt mit einem Marktwert von mehr als 10 Mrd. US-$ nach Öl zu den wichtigsten internationalen Handelsgütern. Der Kaffeeanbau wird von mehr als 25 Mio. Kleinbauern in Entwicklungsländern betrieben, die ca. 50% der Weltproduktion erwirtschaften und ihre Ernte an Mittelsmänner weiterverkaufen, die dann die großen Importeure und Röster bedienen. Der größte Teil der Wertschöpfung wird jedoch in der Veredelung erzielt. Während die großen Röster hohe Margen mit den Kaffeebohnen realisieren, reichen die Einnahmen der Kaffeebauern oft nicht einmal aus, um ihre Familien vollwertig zu ernähren, geschweige denn steigende Nahrungsmittelpreise durch eigene finanzielle Rücklagen auszugleichen.

Da die Kaffeebauern selbst nur erschwerten Zugang zu Märkten, Informationen und Darlehen haben, verhilft die Selbstorganisation in Form einer Kooperative potenziell zu mehr sozialer Partizipation und Marktmacht. Die Kooperative übernimmt die Aufgaben der Weiterverarbeitung und den Verkauf des Kaffees. Ein Export durch die Kooperative bietet einen höheren Rückfluss des Gewinns an die Bauern als der Export durch Mittelsmänner. Der Zugang zu Krediten wird vereinfacht und langfristige Investitionsprojekte sind möglich.

In Äthiopien sind die grundlegenden Strukturen von landwirtschaftlichen Kooperativen im Ansatz noch weit verbreitet, da die Ursprünge der Zusammenschlüsse von oft hunderten von Kleinbauern noch aus den Zeiten des kommunistischen Derg Regimes stammen.

Lokal tragen die Kooperativen eine große Bedeutung, da sie nicht nur die Rolle und das demokratische Selbstverständnis der Farmer in einer kollektiven Organisation stärken, sondern mit ihr auch soziale Verantwortung übernehmen.

Frei nach dem Gedanken von Muhammad Yunus soziale Probleme lokal durch unternehmerische Konzepte zu lösen, werden in den Kooperativen wichtige Entscheidungen getroffen, die das Wohl der Allgemeinheit im Sinn haben sollen.

Die selbstbestimmten und lokal agierenden Kooperativen dienen als Grundlage des sozialen Unternehmertums in Entwicklungsländern, dessen Verbreitung vielfältig gefördert werden kann.

 

Soziales Unternehmertum ist eine Lösung, um die Armut zu bekämpfen.

Von Addis Abeba aus arbeitet Carl Cervone, unterstützt von einem 50-köpfigen Netzwerk von lokalen Beratern, mit den Kaffeekooperativen zusammen. Cervone ist gebürtiger Amerikaner und Landesdirektor von Technoserve Ethiopia, einer von der Bill and Melinda Gates Foundation geförderten Not-for-Profit-Organisation, die Kaffeebauern dabei unterstützt, die Qualität ihres Kaffees durch effizientere Anbau- und Weiterverarbeitungsmethoden zu verbessern und dadurch am Markt höhere Preise zu erzielen. Den Erfolg der eigenen Arbeit misst Technoserve am Einkommenswachstum der Kaffeekooperativen und der Bauern selbst und veranstaltet regelmäßig Konferenzen auf denen die Fortschritte der verschiedenen Kooperativen miteinander verglichen und Investitionsprojekte ausgewertet werden.

Konkret bedeuten diese Projekte z.B. die Anschaffung und Finanzierung einer Waschwalze, mit der die Kooperativen eine weitere Produktionsstufe in ihre Wertschöpfung integrieren und die Qualität ihrer Produktion erhöhen können. Mit der verbesserten Produktionsmethode, die sich vom klassischen Trocknen der Bohnen in der Qualität erheblich abhebt, lässt sich ein mehr als doppelt so hohes Einkommen pro verkauftem Kilogramm Kaffee erzielen.

Cervone betont, welche Bedeutung Eigentum für die Farmer hat. Da die Bauern der Kooperative selbst dafür arbeiten, selbst einen Kredit aufnehmen, das Fundament und das Dach selbst bauen, entsteht diese wichtige Gefühl, etwas selbst geleistet zu haben und etwas Wertvolles zu besitzen. Dieses Gefühl übersetzt sich in die Motivation es auch langfristig zu pflegen und damit das Einkommen nachhaltig zu verbessern.

Ebenso bedeutend ist der Lerneffekt, dass gemeinsame Anstrengung und langfristige Investitionen sich in einer höheren Lebensqualität auswirken. Für zukünftige Investitionsvorhaben der Kooperative wird damit ein wichtiger Grundstein gelegt.

Der Weg aus der Armut beginnt für die Bauern, auch mit dem Wandel des eigenen Verständnisses, sich nicht nur als passive Rohstofflieferanten zu verstehen, sondern auch weitere Produktionsschritte und Aufgaben in die Verantwortung der Kooperative zu übertragen.

Vom erzielten Gewinn der Kooperative werden rund 70% an die einzelnen Farmer ausgezahlt, 20% als finanzielle Reserve für kommende Investitionen zurückgestellt und 10% direkt in gemeinschaftliche Sozialprojekte investiert, wie die Entwicklung von Schulen, Brunnen und Rentenfonds. Diese Investitionen sind gerade für die Farmer ein bedeutender Faktor auf dem Weg zu selbstbestimmten und sozialem Unternehmertum.

Als herausragendes Beispiel dient hier die Geschichte der Kuapa Kokoo Kooperative aus Ghana. Schritt für Schritt wurden von der Kooperative nachgelagerte Stufen in der Wertschöpfung des eigenen Kakao integriert, bis sie dann selbst in Kooperation mit lokalen Partnern in Großbritannien die Vermarktung von Divine Chocolate aufbaute. Mit dem Gewinn werden auch eine Vielzahl von gemeinschaftlichen Projekten im Gesundheits-, Bildungs- und sozialen Bereich realisiert. Konsumenten wissen dieses Konzept zu schätzen, denn mittlerweile kaufen sie nicht mehr nur Produkte, sondern Lösungen. Dabei vermischen sich die ökonomischen und sozialen Ansprüche der Verbraucher.

Auch beim Kaffee findet die größte Wertschöpfung nicht in den Entwicklungsländern statt, sondern dort, wo der Kaffee geröstet und seine „Geschichte“ erzählt wird. Diese Geschichte wird von den Genießern weltweit noch eher mit dem Gesicht George Clooney´s oder der Kaffeehauskette Starbucks assoziiert, als mit Bildern der Kaffeebauern selbst. Doch auch dieses Bild verändert sich im Laufe der Zeit.

Denn mit der steigenden Qualität der Kaffeeproduktion, der Vermittlung von Geschäftskontakten zu internationalen Einkäufern und der Unterstützung beim Marketing bietet sich den Kooperativen die Möglichkeit, Ihren Gourmet-Kaffee direkt an Importeure zu liefern und so ihr Einkommen, und ebenfalls Ihre Marktpräsenz zu erhöhen.

 

Die Bedeutung von Bildung

Ethiopia_University_Education_is_keyDie Begleitung der Berater von Technoserve im Feld zeigt, dass ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit in der Wissensvermittlung von praktisch-anwendbaren und ökonomischen Grundkenntnissen liegt: Buchhaltung, Management und Marketing. Viele betriebswirtschaftliche Konzepte werden auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten vor Ort angepasst, so berichten zum Beispiel die Kaffeekooperativen seit neuestem täglich per SMS über die erzielten Erntemengen und Erlöse.

Durch die wirtschaftliche Entwicklung in den ländlichen Gebieten werden auch zusätzliche, wenn auch noch wenige Arbeitsplätze in den Kooperativen geschaffen.

Derzeit, so Carl Cervone, sei es jedoch noch schwierig, gut ausgebildetes Personal für die anspruchsvolleren Aufgaben in den Anbauregionen selbst zu finden. Lokal verfügbare Fachkräfte stellen für diese wirtschaftliche Entwicklung zwar einen entscheidenden Schlüssel zum Erfolg dar, doch die Tür zum Wandel wird noch mit der Hilfe von externen Beratern geöffnet.

Bildung und Perspektive sind eng miteinander verknüpft. Menschen, die in der Bildung eine Perspektive sehen, sich zukünftig besser zu stellen, werden auch die nötige Motivation aufbringen, um zu studieren. Jedoch gibt es in Äthiopien kaum weiterführende Universitäten, die sich dem Management und der Verwaltung widmen, wie Prof. Dr. Dirk Linowski, Berater für akademische Entwicklung der Adama University in Äthiopien, betont.

Die wenigen Studienplätze werden in Äthiopien meist ohne Berücksichtigung der persönlichen Studienwünsche der Bewerber vergeben. Zudem können es sich nur wenige Familien auf dem Land leisten, auf ihre Kinder als Arbeitskraft zu verzichten, denn traditionellerweise hilft jeder in der Familie Einkommen zu generieren.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Möglichkeit Bildungschancen wahrzunehmen eng mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit verbunden ist. Wenn Familien, die ihr Einkommen hauptsächlich in der Landwirtschaft erzielen, eine stärkere wirtschaftliche Basis aufbauen können, ist es ihnen ebenfalls möglich ihren Kindern eine Ausbildung zu finanzieren.

Die Bildungsarbeit im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklungsarbeit hat demnach drei Aufgaben: Die Vermittlung von ökonomischem Basiswissen, die Einführung von Lowtech-Innovationen und das Setzen von nachhaltigen Bildungsanreizen durch wirtschaftliche Absicherung und Perspektivbildung.

Diese Perspektivbildung bedeutet vor allem, wirtschaftliche, d.h. lokale Geschäftsmöglichkeiten und internationale Marketingstrategien gemeinsam mit den Akteuren vor Ort zu entwickeln, als auch persönliche Entwicklungsperspektiven zu eröffnen und zu fördern. Denn nicht selten kommt die Motivation mehr zu leisten durch Vorbilder, positive Beispiele und kleinen, eigenen Erfolgen.

 

Weitere Beispiele von sozialen Unternehmern

Das Berliner Start-Up Coffee Circle, an dem sich der Tengelmann-Konzern 30% der Anteile gesichert hat, ist Kaffee-Importeur. Die drei Gründer Martin Elwert, Robert Rudnick und Moritz Waldstein-Wartenberg, verstehen sich als soziale Unternehmer. Pro verkauftem Kilogramm Kaffee fließt ein Euro in die Umsetzung von Projekten in den Anbauregionen in Äthiopien, wie z.B. den Bau einer Grundschule oder die Versorgung einer Krankenstation mit Solarstrom.

Im Solarstrom sieht auch Max Pohl, der Gründer von Sahay Solar eine Zukunft für Äthiopien. Mit Hilfe der von ihm gegründeten not-for-profit-Organisation will er die Ausbildung von Ingenieuren im Solarbereich in Kooperation mit der Arbaminch Universität vorantreiben. Gefördert wird dieses Vorhaben von der schweizer Regierung. Die ausgebildeten Ingenieure sollen in kleinen Teams gemeinsam sowohl kommerzielle als auch soziale Solarprojekte planen, installieren und betreuen. In der Unternehmensvision sieht Max Pohl die Chance, ein eigenständig wirtschaftendes Solarunternehmen in Äthiopien aufbauen zu können und so die dezentrale Solarenergie langfristig als Lösung für die Energieversorgung in Afrika zu etablieren.

Fazit und Ausblick

Soziales Unternehmertum ist bereits weit in die Kaffeeanbaugebiete Äthiopiens vorgedrungen, steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Pioniere sind Unternehmer, Berater und Fachkräfte, die von Stiftungen unterstützt werden. Sie konzentrieren ihre Arbeit darauf mit Wissen und Kreativität geschäftsfähige Lösungen für soziale Probleme zu entwickeln. Jedoch stellt jeder Anfang wirtschaftlicher Entwicklung hohe Anforderungen an die Ausbildung von jungen, einheimischen Fachkräften.

Dieser Wandel in den Köpfen und dem Handeln der Menschen benötigt Inspiration, Erfahrung und Geduld, damit der von Frans Johansson beschriebene „Medici Effekt“ einsetzen kann. Dieser entsteht aus der Zusammenarbeit von Menschen aus unterschiedlichen Feldern, Kulturen und Industrien. Eine Vielfalt an Expertise, die sich mit konkreten Problemstellungen befasst, fördert Johansson zufolge das Potenzial neuartige und zukunftsfähige Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln.

Nicht zuletzt also ist der Einsatz von engagierten Menschen gefragt, die unmittelbar auf Ihr Umfeld einwirken, eine Kombination von lokalem Potential und internationalem Know-how innovativ verknüpfen und so den Weg für wirtschaftlich rentable und soziale Unternehmensstrukturen ebnen. Die anfänglichen Erfahrungen der Kaffee-Kooperativen sind ein Beispiel für die Entwicklung und Förderung dieser Strukturen, welche sich auf andere Wirtschaftszweige übertragen lassen und weiter ausgebaut werden können.

Es bedarf jedoch auch eines Umdenkens in den westlichen Gesellschaften. Verbraucher wie Unternehmer sind aufgefordert neben ökonomischen Aspekten auch soziale Werte in ihre Entscheidungsprozesse einfließen zu lassen. Die Wurzeln für die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika liegen zum Großteil auch in der Gestaltung der Hilfsmaßnahmen selbst. Wenn sich diese von Formen einer Almosenpolitik weg hin zu gerechten und respektvollen Handelsbeziehungen wandeln, dann ist wirtschaftlich nachhaltiges Wachstum möglich. Im besten Fall entsteht sogar das ökonomische Selbstverständnis, dass Unternehmen und Kooperativen, wirtschaftliche und soziale Interessen maximieren.

Meine Untersuchungen verstärken den Eindruck, dass Handel statt Hilfe der Schlüssel zum Erfolg ist. Jedoch ist Hilfe beim Aufbau gerechter Handelsbeziehungen und der Ausbildung von wirtschaftlichen Akteuren gefragt.

Wie das im konkreten Beispiel der Kaffee-Kooperativen in Äthiopien aussehen kann, habe ich im dokumentarischen Kurzfilm: „We are Coffee Farmer“ zusammengefasst.
Das Material für den Film konnte ich ebenfalls während der Forschungsreise sammeln und in den darauffolgenden Monaten editieren. Der Film dient als Best-Case Studie und als Anregung für weitere entwicklungspolitische Betrachtungen.
Am 25. Februar 2012 wird der Kurzfilm im Rahmen der Podiumsdiskussion „FAIRER GENUSS?! Fairer Handel und die äthiopischen Kaffeebauern“ des Deutsch-Äthiopischen Studenten- & Akademikervereins in die Diskussion rund um die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsmöglichkeiten der Kaffeebauern einführen.

Ich hoffe mit meinen wissenschaftlichen und medialen Betrachtungen einen anregenden Beitrag im Dialog rund um die Frage des sozial- und wirtschaftlich sinnvollen Wachstums zu leisten.

Mein Dank gilt der Haniel-Stiftung für die großzügige Unterstützung der Forschungsreise, mit der es mir möglich war eben jene positive Entwicklung im Rahmen des sozialen Unternehmertums und der Bildungsarbeit zu begleiten und zu dokumentieren.

Alexander Klebe
23. Februar 2012

Link zum Film: “We are Coffee Farmer”